wir haben eine putzfrau. das hört sich scheiße an! entspricht auch nicht der realität, also nochmal: wir bezahlen ein menschliches indiviuduum dafür, dass unsere wohnung geputzt wird. einmal in der woche.
ich hasse wischen und hausarbeit im allgemeinen auch. ich kann das auch nicht sonderlich gut, meine qualitäten liegen in anderen gebieten. auch das ein grund warum ich niemals sagen würde: ich bin hausfrau und mutter. weil ich mich dann in 50% meiner „arbeit“ ziemlich schlecht wäre, nicht gerade motivierend. aber vor allem stimmts ja auch einfach nicht. meine beziehung und ich hatten uns eine zeitlang ganz schön in der wolle, wenns um den haushalt ging. ihm wars zu unordentlich, ich war der meinung, dass ich nix hören will darüber, wenn ich es noch nicht mal schaffe meine haare zu kämmen, geschweige denn zu duschen. mir war es auch unordentlich und schlimmer noch staubig und krümmelig in der ganzen wohnung. wie auch sonst gerne haben wir uns also über die verteilung von hausarbeit gestritten, naja war kein streit, also eher diskutiert. ich bin ja oft nachgiebig, aber da verstehe ich keinen spaß: 50% der (nervigen) hausarbeit gehören dem püppivater. basta. ist mir egal, wieviel er arbeitet und wann er nach hause kommt. ich bin gerade überwiegend für die püppibetreuung zuständig und er für die lohnarbeit, aber: ich bin hier nicht die putze! (ich finde im übrigen, das putze ein scheiß wort ist, und möchte betonen, dass ich mich hüte eine reale person so zu nennen. was ich damit sagen möchte drückt das wort aber für mich irgendwie aus, hausarbeit wird als niedere tätigkeit gesehen, und diese arbeit und die arbeitenden abgewertet) ich bin zu hause ja, aber ich hab tatsächlich noch ein paar andere dinge zu tun, zum beispiel ein aufmerksamkeitsintensives baby hüten, das jedesmal schreit, wenn ich den staubsauger anmache, weil sie das geräusch nicht sexy findet. und eigentlich noch so einiges anderes, aber schon dazu komm ich meistens nicht. wenn 50% der hausarbeit seine sache sind, dann sind ja auch 50% meine. jepp so isses: ich kaufe ein, das gefällt püppi auch ganz gut und wir haben interaktion mit fremden.

ich koche 6 tage die woche. abends für uns beide. warm und meistens noch salat. ja, ich liebe kochen, hat ja auch keiner gesagt, dass die tätigkeit total blöd sein muss.

ich wische staub manchmal, find ich eigentlich super spießig und wegen der statischen wegwerftücher die ich verwende auch ökologisch fragwürdig, aber ich hatte ja auch schon in meiner wg den staubwischingdonnerstag. und wenn zwei menschen einen großteil des tages in der wohnung rumhängen, ists plötzlich total staubig. das laminat in der wohnung tut  sein übriges.

ich mach die wäsche, das ist okay und wäsche aufhängen ist meditativ. aber: ich bügele nicht, ich hab meine eigenen sachen noch nie gebügelt und auch nicht vor damit anzufangen. also gehen die hemden vom mann in die reinigung seid ihm aufegegangen ist, dass er keine zeit hat jeden tag zwanzig minuten sein hemd zu bügeln. jetzt bring ich die hemden weg, das gilt schon fast als hausarbeit.

naja, wenn zeit bleibt, mach ich was sonst so getan werden muss, bad putzen, küche wienern usw.
ich hab immer gesagt, der mann muss die hälfte der hausarbeit machen, oder jemanden dafür bezahlen, gerne auch mich, wenn ich zeit hätte. hab ich aber nicht.
der püppivater hat am anfang am wochenende noch immer heroisch gesagt dass er jetzt auf das kind aufpasst (ja, die hälfte der kindererziehung gehört ihm auch noch, da ich die ernährung übernehme, ist er gewaltig im rückstand) und irgendwie aufräumt. das hat mich immer erst wütend gemacht (wie stellt er sich das eigentlich vor? glaubt er, dass das ein kinderspiel ist? wenns so einfach wäre, würd ichs auch alleine hinkriegen) und danach zur schadenreude geführt (weil er nie die liste abgearbeitet hat, die er morgens noch aufgezählt hat. „haha sag ich doch“. manchmal kann ich mich selbst nicht leiden)
tatsächlich kamen wir relativ schnell auf eine haushaltshilfe, aber es war gar nicht so leicht, jemanden dafür zu finden. die diversen agenturen waren tatsächlich ausgebucht. was mich sehr geärgert hat, also jetzt nicht, dass es genug zu tun gibt sondern nur, dass ich gerne mehr geld bezahlt hätte und dafür sicher hätte sein können, dass die leute versichert sind usw.und ich mich nicht selbst hätte kümmern müssen. außerdem bin ich der meinung, dass so geregelte arbeitsverhältnisse und damit einhergehende soziale sicherheit (arbeitslosengeld, krankengeld, rentenkasse usw. ist als selbstständige*r/ freiberufler*in nicht so einfach, als auftraggeberin auch nicht) allen beteiligten gut tut.

naja, seid letzter woche kommt eine bekannte einer bekannten zu uns und ich fühle mich seltsam damit. das liegt am klischee, (unsere haushaltshilfe spricht nur gebrochen deutsch und trägt kopftuch **, was ich genau damit sagen wollte, muss ich mir jetzt nochmal überlegen, irgendwie verrenne ich mich da gerade in was, aber meine bildungsbürgerliche weiße mittelschichtsempfindung sagt: das ist ausbeutung obwohl ich eigentlich finde, dass daran nix ehrenrühriges ist und ich schließlich niemanden umsonst hier arbeiten lasse) und daran, dass zwar der verteilungskampf in unserer beziehung unentschieden ausgegangen ist, aber jetzt halt eine andere frau putzt. an der gesamtgesellschaftlichen arbeitsteilung ändert sich also nix. (positive beispiele vor: mein onkel beschäftigt einen putzmann, wenn er nicht dazu kommt). ich bin außerdem nach wie vor hin und her gerissen zwischen „haushaltsführung ist eine wichtige aufgabe und muss ordentlich bezahlt werden“ und „jede*r sollte seinen/ihren mist selbst wegräumen“.

tatsache ist: wenn ich nicht da bin wenn unsere haushaltshilfe da ist, ist es für uns beide angenehmer. und es ist total toll in eine saubere wohnung nach hause zu kommen. schade nur für püppi, die letzte woche ganz neugierig war und außerdem die hilfe wirklich gerne mag, aber ja schlecht hier alleine rum hängen kann.
ich bin nebenbei begeistert in welcher geschwindigkeit mensch sauber machen kann, wenn er*sie da strukturiert rangeht und sich nicht ständig ablenken lässt. (wobei ich auch immer besser gemeinschaftsräume oder das wgzimmer meiner letzten beziehung aufräumen konnte, muss was psychologisches sein). außerdem motiviert das ganze zum ordnung halten, weil aufräumen müssen wir schon selbst.

und JA! das ist luxus, nicht jede*r kann die arbeitsverteilungskämpfe in ihrer*seiner beziehung/wg/familie so lösen, wie wir das jetzt getan haben. aber für uns war das die lösung eines ewigen streithemas.

**ja bitte hier kritik anbringen. da bin ich stecken geblieben in meinem persönlichen rassismus oder so…

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