ich dachte als kind immer, ich wäre schlecht erzogen, weil ich die regeln in anderen familien nicht kannte und/oder nicht verstand. es war mir zum beispiel nicht klar, warum mensch beim essen nicht sprechen sollte. also nicht nur nicht mit vollem mund, sondern die ganze zeit nicht. heute weiß ich, das ich ganz solide gut erzogen wurde. werte wie höflichkeit und respekt spielten da ne ganz große rolle.

da ich in einer kleinen großstadt aufgewachsen bin, (gefühlt ein mittleres dorf), war ich auch immer daran gewöhnt, dass alle anderen auch so ein mindestmaß an höflichkeit an den tag legen. wenn sogar schnorrende punker bitte, danke und nen schönen tag sagen, auch wenn se nix bekommen haben, dann ist das für mich normal…
jetzt lebe ich ja nun seid einiger zeit in einer mittleren großstadt und habe mich hier wieder erwarten eingewöhnt. das einzige, an dass ich mich nicht gewöhnen kann ist, dass die menschen hier krass unhöflich und unachtsam sind. meine beziehung lacht immer über mich, weil ich immer wieder fassungslos bin, ob des benehmens unserer mitmenschen. da drängen sich jugendliche vor in nen aufzug und lassen mich mit kinderwagen (geht gerade noch) oder noch besser eine*n rollifahrer*in (geht überhaupt nicht) vor der kabine stehen, obwohl ein paar meter weiter eine rolltreppe ist. da lassen irgendwelche leute mir türen ins gesicht klatschen oder rennen den kinderwagen um, wenn ich gerade die tür aufmache. da laufen alle einfach weiter obwohl eine andere mutter alle möglichen menschen bittet ihr im bahnhof mit dem kinderwagen und treppe zu helfen. da laufen familien so, dass niemand mehr dran vorbei kommt, und beschimpfen einen, wenn man bittet voorbeigelassen zu werden.  in jedem zweiten laden den ich betrete, scheint es eine unverschämtheit zu sein, die verkäufer*innen anzusprechen, und zu erwarten, dass die ihren job machen eine persönliche beleidigung.
immer öfter komme ich an öffentliche orte und es sieht aus wie sau, weil irgendwer einfach seinen dreck in der gegend verteilt hat. besonders beliebt hierfür wickelräume. da liegen benutze feuchttücher auf dem tisch. es zieht sich eine fäkalspur quer rüber obwohl es sogar wegwerfunterlagen gibt undundund bäh
von so sachen, wie in der bahn aufstehen will ich gar nicht reden. wenn schwangere, alte oder sonstige körperlich weniger standfeste menschen in die bahn steigen, muss mensch einen richtig fiesen blick drauf haben (wie ich) oder wirklich glück haben, damit mal jemand aufsteht. türen aufhalten, platz machen für rollstuhlfahrer, menschen am fahrkartenautomaten helfen, den weg erklären? nee, eher nicht. dafür vordrängeln, sich nie umschauen, unfreundlich und rücksichtslos sein und möglichst viel raum ein nehmen.  und manchmal auch einfach nur dreist und unverschämt.
sind natürlich nicht alle so hier. aber eben viele, mehr als meiner laune gut tut.

schön ist es dann, wenn mensch so ganz andere erlebnisse hat. so wie wir heute. heute war derby. also fußball. ist bei uns im viertel immer das ganz große ding weil das stadion in hörweite ist. wir waren auf dem weg in die stadt, zusammen mit der weltbestenpatin und deren baby. ich dachte noch, wäre ja gut, an der hauptstrasse langzugehen, weil wir da mit zwei kinderwägen nebeneinander schieben können ohne den ganzen weg zu blockieren.  nicht weit genug gedacht: auf dem weg liegt die kneipe der örtlichen ultra und es war so noch lang vor spielbeginn. so kam es, dass wir uns durch geschätzte 200 junge männer (und ein paar frauen) in viel schwarz und wenig gelb quetschen mussten und dabei ständig „entschuldigung darf ich bitte mal druch“ brüllten. fußball ist eine laute angelegenheit. das ging bis zum eingang dieser kneipe so. dort wurde eine kleinere gruppe auf uns aufmerksam und sorgte durch lautstarke anweisungen dafür, das der rest des weges plötzlich frei wurde, weil alle anwesenden eine gasse bildeten. damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet und ich habe mich sehr gefreut. also statt immer geschimpfe: danke dafür!

(by the way, dank meinem hang zu männlich dominierten jugendkulturen bekam ich prompt stadionsehnsucht und verspürte den starken drang, singend auf und ab zu hüpfen und dabei fußball zu gucken. passend dazu hatte ich neulich in der pekipgruppe die fragestellung, wann unsere kinder eigentlich alt genug seien, um mal einer sportveranstalltung bei zu wohnen. ich finde ein jahr ist ein gutes alter. das sahen nur wenige andere so (aber mindestens eine dann doch), da in dem alter wohl familientribüne angesagt wäre, warte ich lieber, bis püppi 90 minuten stehen kann und zu biene maja gehn wir ganz sicher nicht)

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