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ich nehms mir schon vor seid ich auf die standard mal als feministischer mutterblog bezeichnet wurde, das ist schon lange her also hier kommts:

warum ich Feministin bin.

aber wenn mir jemand vor drei jahren gesagt hätte, dass ich mich mal selbst als solche bezeichnen würde, hätte ich dieden ausgelacht. oder protestiert. ich fand feminismus nämlich blöde, nicht so als konzept im allgemeinen, sondern eher als label für mich.  das hat mir lange ein schlechtes gewissen gemacht. weil als sich irgendwie links (radikal) verortende frau muss mensch doch feministin sein.

woher das kam mit meiner ablehnung?
das hat sich im laufe der zeit mehrmals geändert.
*am anfang war das glaube ich mehr so ein subjektiver eindruck, die paar frauen die sich als feministinnen bezeichneten, kamen mir verbittert und schlecht gelaunt vor. das war lange, bevor ich mich inhaltlich mit irgendetwas auseinandersetzen konnte.
*meine eltern haben uns sehr früh mit verschiedenen „mein körper gehört mir“ broschüren eingedeckt,  mich zur selbstverteidigung geschickt, mit technik näher gebracht und und und. ich hab nie gehört, „das kannst/darfst du nicht weil du ein mädchen bist“. ich war mir immer (na gut, meistens) sicher, ich kann alles, also platz da. für mich waren viele dinge, von denen ich heute weiß, das die meisten darum noch kämpfen müssen, total normal. deshalb wollte ich rosa rüschenkleider, lackschuhe, barbies und ein girliegirl sein und nicht gleichberechtigt.
*ich war eh schon ein freak. mir fehlten gewisse sozialisationsaspekte die für die anderen mädchen irgendwie wichtig waren. ich hatte kein interesse an mode&shopping, wusste lange garnicht was eine barbie (kindergarten) war oder wie mensch sich die beine rasiert (mittelstufe). als ich diese defizite mühsam aufgeholt hatte, wäre mir im traum nicht eingefallen, diese gesellschaftlichen zustände zu kritisieren. ich wollte zumindest irgendwie dazu gehören. was sich meistens als gar nicht so einfach herausstellte.
*als meine politische sozialisation mich von umweltaspekten ins autonome zentrum führte, hatte ich mädchen sein bereits professionalisiert. meine ersten inhaltlichen begegnungen mit feminismus liefen denkbar schlecht. auf meinem ersten frauenplenum, haben die anwesenden (die meisten etwa 5-10 jahre älter als ich, ich war so 15/16) ausgiebig gelästert. über stringtangas und rasierte beine…. ähem, ich war leicht iritiert und verbrachte meine zeit ab da lieber mit den biojungs um mich rum. meinen style wollte ich nicht ändern, warum auch, also ging ich geschminkt, auf hohen hacken, in kurzen röcken und bauchfrei  ins autonome zentrum. nicht ohne abschätzige blicke…
*dabei wars ja nicht mal so, das ich nicht mehr zu den frauenplena gegangen wäre. aber meistens fühlte ich mich danach genauso beknackt, wie ich mich gefühlt habe, wenn ich in der schule mal wieder irgendeine sozialisationstechnik an mir vorbei gegangen war.
*und irgendwie kam mir alles ein bisschen seltsam vor, zum einen, weil ich wie oben schon erwähnt, viele dinge für mich als selbstverständlich wahrnahm (und durchaus bereit gewesen wäre jeden auszulachen/zu verprügeln, der meinte mir das absprechen zu wollen) zum anderen weil die vermittlung von inhalten (natürlich) auch hier nicht wiederspruchsfrei über die bühne lief.
*wenn frauen die mir riesig und schlau und durchsetzungsfähig vorkamen, über die unterdrückung durch das patriachat jammerten, aber auf dem gemischten plena immer allen ins wort fielen, um im nachgang die macker zu bemeckern und sich für ihre große schnauze auch noch zu beglückwünschen, drehte sich mein kopf.
*mal völlig davon abgesehen, das es mir fernlag, mich als opfer von irgendwas zu begreifen. und diese „wir sind opfer des patriachats“ nummer drang doch immer wieder durch. potentielle opfer von (sexualisierter)gewalt, von lohndumping, von/in heteronormativen zweierbeziehungen, von blöden anmachen, von ich weiß nicht mehr. ach doch von pornos. ein beliebtes thema, zugegebener maßen damals aus aktuellem anlass, aber für mich völlig unbegreiflich: vermutlich geht es nicht klar, wenn jemand, in einem öffentlich zugänglichen computerraum pornos anschaut. aber da hörte es bei mir dann schon auf. warum ich dadurch unterdrückt werden sollte, war mir nicht so richtig klar, ist es bis heute nicht. wenn mir damals jemand von pro sex feminismus erzählt hätte wäre ich vermutlich in jubel ausgebrochen, aber das sollte noch ein paar jahre dauern.
* bis dahin hab ich mich einfach nicht richtig gefühlt, nicht feministisch genug.

ein wichtiger aspekt für mich war immer, das ich der meinung war, das geschlechtsbedingte gesellschaftliche hierachien für mich nicht gelten würden. ich war lange die, die spricht. ich war lange die einzige frau unter mackern und hatte mit abstand den größten schw*nz. meine ganz persönliche situation war einfach so privelegiert, das ich an andere garnicht denken wollte.

und ich hab geglaubt, was uns zwischen all den mädchen stärken aktionen und frauenzeitschriften sugeriert wurde: „wenn ihr an der gesellschaft scheitert, habt ihr euch nicht genug angestrengt.“

was dann geschah:

* ich hatte ständig machtkämpfe in meiner politgruppe auszufechten. das war auf die dauer wahnsinnig anstrengend. außerdem hatten wir uns einen habitus zugelegt der nach außen auch mal beängstigend wirken konnte. wir nahmen so wahnsinnig viel raum ein und hatten irgendwann vergessen darüber ernsthaft zu reflektieren. aus einem humorvollen brechen mit erwartungshaltungen der szene und dem spiel mit anti-pc-verhalten war eine reine mackerperformance geworden, da half auch ich als alibimädchen nix mehr. und meine jungs stachelten sich gegenseitig immer weiter an. und plötzlich spielte es denn doch eine rolle das ich das einzige weibliche gruppenmitglied war. als ich versuchte zu erklären das es keinesfalls lustig ist mich aufzufordern eine burka zu tragen und nur auf spot stieß dachte ich „hier stimmt doch was nicht“ mein experiment war gründlich gescheitert…
* ich hatte eine beziehung mit einem menschen der sich für wahnsinnig reflektiert hielt. is ja nicht so das wir nicht belesen wären, dieser mensch war außer nett auch wahnsinnig schlau und von sich überzeugt. nee, ich bin nicht durch theorie klug geworden, sondern durch praxis. meine damalige beziehung  hat es geschaft mein selbstwertgefühl in seine einzelteile zu zerlegen. das war keine böse absicht, wir spielten nur einfach das gleiche spiel wie so viele andere heteropärchen auch. und am ende hatte er alle seine freiheiten gerechtfertigt und ich das essen gekocht. und uns dabei erzählt das wir ein total reflektiertes cooles szenepärchen sind.  als diese beziehung zu ende war, war ich fassungslos. wie konnte mir das bloß passieren? ist mir bis heute nicht richtig klar. aber eine gute freundin brachte mich drauf, das war nicht bloß persönliches pech. liebe m. wenn du das liest: vielen dank für deine weisheit.
*ich tireb mich in der folge immer mal wieder mit neuen jungen queerfeministinnen rum, das hat mir wirklich gut getan. ihre argumente und diskussionen hatten auch plötzlich viel mehr mit meinem leben zu tun als alles was ich bis dahin gehört hatte. aber feministin sein wollte ich da immer noch nicht.
* ich zog in eine andere stadt und meine kontakte zu feminismus reduzierten sich auf diskussionen in der uni. als mir klarwurde das in meiner seifenblasenwelt ja alles ganz okay war, aber dass die meisten menschen eben noch nie was von genderstudies gehört hatten. wir wollen nochmal festhalten, dass ich kulturwissenschaften studiert habe. da kommen genderstudiesinhalte in allen drei teilrichtungen vor, alle meine mitstudenten hatten also drei klausuren bestanden in denen das thema geschlechterrollen zumindest am rande gestreift wurde. sie hatten alle die gleichen seminare besucht und achtung: nix mit genommen. es war offensichtlich möglich die inalte der texte die wir lasen wieder zugeben und davon nichts in sein eigenes leben zu übertragen. kaum war die stunde vorbei legten sie schon auf dem weg nach draußen mit irgendwelchen komischen zuweisungen los (echt so gehört:“klar mach ich den haushalt, also mein freund ist ja gerade arbeitlos und ich studiere und arbeite nebenher aber wenn er jetzt die wäsche macht kratzt das an seinr männlichkeit“) nur etwa 10% meiner mitstudierenden waren männer aber sie stellten locker 70% der gesprächszeit in den seminaren. vom verhältniss unter den lehrenden will ich garnicht anfangen frauen gabs eigentlich nur bei den ethnologinnen. und die hatten angst, das weltbild der studierenden alzusehr zu erschüttern weswegen sie alle geschlechterthemen besonders behutsam ansprachen. in der hoffnung, das wenigstens ein klein bisschen hängen bleibt und nicht alles in einem sturm der entrüstung untergeht.
* zu guterletzt wurde ich schwanger. und sah in lichtgeschwindigkeit das ende meines emanziperten lebens auf mich zurasen (darf ich das so nennen ich bekam ja eigentlich unterhalt von meinen eltern)
*als mir klar wurde, dass ich in naher zukunft total von meinem mann abhängig werden würde lief es mir kalt den rücken runter. als mir klar wurde das es im öffentlichen diskurs durchaus schick ist zu behaupten das mütter und hausfrauen sich ins gemachte nest setzten und sich praktisch bei ihren männern durchschnorren wurde mir übel.
*von den diskussionen um seine elternzeit mal abgesehen (ihm wurde nahegelegt sich das doch mal zu überlegen,  weil in seiner position, da könne er schonmal das suchen anfangen).
*ich versuchte im fünften monat einen krippenplatz für mein kind zu ergattern und bekam zu hören dass das ja alles nicht so einfach sei? bitte? meine eltern haben in den 80er jahren solche kämpfe geführt und sich engagiert und jetzt erzählt ihr  mir das es nach 25 jahren immer noch keine krippenplätze für kleinkinder gibt? neeoder?
*ich hatte seltsame diskussionen mit einer kollegin auf dem flur die mich vor der realität in kleinfamilien von arbeitsverteilungskämpfen und gläsernen decken warnen wollte. und dachte noch das gilt alles nicht für mich, ich bin schließlich gebildet hoch qualifiziert und lebe in einer beziehungdie auf gleichewertigkeit beruht. hahahahaha.
* ich handelte gerade noch so einen partnervertrag heraus der vor allem vorsah, das ich wenn ich schon das kind bekommen und den löwenanteil der elternzeit übernehmen würde wir uns wenigstens darauf verständigen das ich das nicht zu meinem persönlichen vergnügen tun würde.

und plötzlich erwischte ich mich dabei das ich zu meinem vater sagte: „das ist antifeministisch“ warum weiß ich nicht mehr, aber da wars um mich geschehen, seiddem nenn ich mich ofiziell feministin… und ja, mein leben als mutter bestärkt mich jeden tag darin, dass es notwendig ist genau das zu sagen!

wenn irgendwer hier unten angekommen ist, wärs ja gut, ich befürchte gerade das von diesem endlostext alle nur den teil lesen in dem ich noch standard gegenargumente sammel. zum schluss nichmal ein link,wenn mir eine sagenkann, ich die prägnante zusammenfassung gelesen habe was feminismus nochmal ist: her damit bitte!

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