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ich wurde vegetarierin, weil eine gute freundin von mir in einen typen verliebt war, der vegetarier war. sie kam ganz hektisch bei mir an und war der meinung, wir müssten jetzt auch vegetarierinnen werden, weil er sie sonst nicht mögen würde. ich bin ja gerne solidarisch, manchmal auch, wenn ich pläne für bescheuert halte, also stimmte ich ihr zu und teilte meinen eltern mit, dass ich fortan kein fleisch mehr essen würde. meine freundin aß noch am selben tag ein salami brötchen, ich hab seitdem kein tier mehr gegessen. das ist fast fünfzehn jahre her, wie lange genau, weiß ich nicht…

vegetarierin sein war in meiner familie ganz leicht. genau genommen waren meine eltern vegetarier als ich geboren wurde. sie haben wieder angefangen fleisch zu essen, weil ich immer bei freundinnen zu abend essen wollte, bei denen es wurst gab… ein paar jahre später habe ich einen aufstand veranstaltet weil ich der meinung war, jetzt müssen alle fleischlos leben. aber auch das haben sie mit humor genommen. sie sagten einfach okay, wenn du kein fleisch essen willst, dann kochen wir halt so, dass das möglich ist. in unserem kühlschrank gab es schon immer viel käse aber eben auch tartex und räuchertofu. meine mutter kannte eine menge vegetarsiche gerichte und ich finde bis heute das sie die besten grünkern bratlinge der welt macht.

das ist nicht selbst verständlich, die oben genannte freundin wurde zu hause so unter druck gesetzt, dass sie nachgab. ich kenne leute, denen haben ihre eltern hackfleisch in die bratlinge gemischt, kein witz. und so lustige fragen wie „auch kein huhn, fisch, schnecken?“ hab sogar ich ungefähr eine millionen mal beantwortet. spätestens bei den großeltern wirds bei den meisten schwierig, aber meine kannten das ja schon deshalb gabs noch nicht mal da ein problem. ich ess einfach die beilagen und gut ist. wir wollen festhalten, dass meine familie aus franken kommt, die können da drei dinge gut: brot, bier (das ist sogar garantiert vegan, wenns ein „u“ ist) und wurst. vegetariertum ist für manche dort eine geisteskrankheit, was dann eben auch zur folge hat, dass ich mich zu besuch in der heimat von beilagen (kloß und wirsing, jamm jamm jamm) oder käsespätzle oder rahmpfifferlingen mit semmelkloß ernähre. mensch denke sich das weiche g… und das ich immer beteuere das ich keine soß auf meinen kloß mag, danke…

nachdem ich daheim ausgezogen und schon längst in der linksradikalen szene verwurzelt war, wurde ich zur veganerin. das kam so: ein guter freund von mir war straight edge vegan und hat nicht aufgehört allen, auch mir, damit auf die nerven zu gehen, wie schrecklich tierleid ist (und drogen nehmen auch). ich hab also behauptet, dass ich veganerin werde, sobald mir einer einen veganen kakao macht, der lecker ist. ratet was meine mutter mir ein paar wochen später vom einkaufen mitbrachte? danke mama! der besagte soja-schoko-drink war vom schneekoppe und ist kurz darauf wieder aus dem programm verschwunden, aber ich war jetzt veganerin. hatte ich ja so gesagt, war also eine frage der ehre. das veganleben und ich hatten allerdings eher so eine on off beziehung. da ich ja die meiste zeit nicht aus gründen vegan war sondern halt so, aß ich auch unvegane dinge wenn gastgeber*innen nicht dran gedacht hatten. von meinen besuchen in franken ganz zu schweigen. manchmal hatte ich auch einfach bock auf käse oder so. übrigens hatten meine eltern auch hier ein erstaunliches verständniss wenn ich sonntags zum essen vorbeikam gabs veganes essen für mich und meine muttermacht großartigen veganen apfelkuchen. aber so richtig konsequent dabei bin ich trotzdem nicht geblieben…

vermutlich weil ich nie aus „überzeugung“ meine ernährung angepasst habe, sondern weil es sich halt so ergab.
ich finde fleischessen nicht falsch, ich erwarte von niemandem, dass ersiees vegetarier*in wird, ich kann gut verstehen, das menschen aus ethischen gründen keine tierprodukte konsumieren, aber bei mir ist das nicht so. fleischessen ist einfach so weit weg von meiner lebensrealität, dass ich nicht mal drüber nachdenke. das ist so wie mit tütensuppen, ich weiß das es sie gibt, und finde sie ziemlich faszinierend aber ich würde mir das niemals in den mund stecken…

jetzt hab ich noch nix über das kind geschrieben aber schon ne menge worte zusammen, also fortsetzung folgt…

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