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wir fahren mal wieder nach franken, das haben wir lange nicht mehr getan. ich freue mich auf zuhause. ich bin da gar nicht aufgewachsen, kurz nach der geburt wurde ich nach norddeutschland gezogen. aber franke (fränkin?) sein ist ein wichtiger teil meiner identität. wieso eigentlich? meine eltern sind beide in bamberg geboren, also der stadt in der ich das auch wurde. meine mutter ist dort nicht aufgewachsen sondern im pott und zurück gekommen als sie (beinahe) erwachsen war, und nochmal mehr als zehn jahre geblieben. mein vater ist dort aufgewachsen und weg gegangen als er erwachsen wurde. meine großeltern väterlicherseits wohnen zumindest in der nähe von bamberg und wären vermutlich auch gerne wieder in die stadt gezogen, wenn sie sich denn die miete hätten leisten können.
der mann ist in bamberg aufgewachsen, wir haben uns dort kennengelernt, seine mutter wohnt da. wir haben viele freunde in der stadt und viele, die wir treffen wenn wir gleichzeitig auf besuch sind. fast alle sprechen davon, wenn sie mal richtig alt sind eine wohnung dort zu haben. ich auch, manchmal, aber wieso jetzt nochmal?

woher kommt eine identifikation mit einer stadt und einer region in der ich nie gewohnt habe?  ich glaube das hängt zum einen mit unserer familienkultur zusammen. und mit der unweigerlichen frage, wo mensch denn herkommt. wenn es in meiner schulzeit, aber auch schon vorher, um familie ging, dann war meine kernfamilie eben alles an familie, was nicht 6 stunden zug weit weg war. wenn ich dann erklären sollte, wo genau das denn jetzt liegt, dieses bamberg, dann hörte ich häufig ich käme aus bayern. aus BAYERN?!? nein verdammt, ich komme aus franken, das ist wichtig! es gibt in meiner familie niemanden der sich mir bayern identifiziert, das hat mit uns nix zu tun, nicht das wir irgendetwas mit echten freien franken zu tun hätten (das sind häufig gruselige nazis) aber das ist es, wo wir herkommen. fränkisch ist das, was ich nicht gut spreche, und manchmal nicht verstehe.
ich glaube so richtig wichtig geworden ist das für mich erst über differenz, mein anders sein hat sich in meiner kindheit am einfachsten daran festmachen lassen, das meine familie nicht aus oldenburger_innen oder ostfries_innen bestand. das es noch vielmehr aspekte unserer familienkultur gab die sich nicht in die mehrheit meiner schulgenoss_innen einpasste, hat sich für mich mit 9 jahren noch nicht so richtig erschlossen. also fränkisch sein, und damit katholisch. was vorsichtig gesagt schon verwunderlich ist, mein vater ist schon vor meiner geburt aus der kirche ausgetreten (meine mutter vor ein paar wochen, aber das ist eine andere geschichte) mein bruder und ich wurden nicht getauft, was ich als kind ganz schrecklich fand. aber meine religiöse identität war eben doch katholisch, ich bin immer mit meinem großvater in die kirche gegangen als ich ein kind war. bei unseren jährlichen besuchen und mir hat das gefallen. ich mag die rituale der katholischen kirche bis heute, auch wenn ich die institution eher ablehne. in meiner umgebung waren alle anderen evangelisch… und auch wenn sich mein faible für die katholische kirche nicht gehalten hat (puh, glück gehabt), hat die art der katholischen denkweise mich geprägt, sowas erledigt sich halt nicht in einer generation ungläubiger.

seid ich denken kann fahre ich also einmal im jahr nach bamberg um meine großeltern zu besuchen, und meine tanten (mütter- und väterlicherseits) und alte freunde. und das war eben meistens auch der einzige urlaub den es so gab. das ich das positiv verknüpfte ist im nach hinein echt nicht verwunderlich. während ich zuhause immer damit kämpfte mich fehl am platz zu fühlen, wurde ich hier freudig begrüßt.

und es ist schön da, die stadt bamberg ist wunderschön. es macht spaß dort zu sein, schon weil es spaß macht, mit offenen augen durch die stadt zu gehen.

und es ist lecker, als kind war ich ja eine große freundin des toten tieres, und damit ist mensch da genau richtig. es gibt so großertige dinge wie keller und brotzeit. da wird dann richtig viel pressack verspeist. bamberg ist eine gärtnerstadt, es gibt immer frisches gemüse und daszu weitestgehend bezahlbaren preisen. mittlerweile kann mensch selbst als vegetarier_in in jede wirtschaft einkehren und wird etwas zu essen finden. und sehr selten mal schlechtes essen. die eingefleischetn bamberger-innen behaupten ja das diese neigung zu qualitativ hochwertigem und günstigem essen daher kommt, das die bamberger_innen früher ihre bäcker in holzkäfigen in die regnitz geschmissen haben wenn sie beschissen haben, (muss mal nachlesen, ob das stimmt) es gibt kloß mit soß, also für mich natürlich ohne, und wersching, und gerupften (soll ja leute geben die sich trauen obatzda zu bestellen, ich würds nicht ausprobieren) und das brot ist so lecker das ich slebst das industriebrot lieber esse als alles was ich hier so kaufen kann (ha, es gibt einen marktstand aus mittelfranken hier auf dem markt, das sind seltsame christen aber das brot ist gut) als kind hab ich übrigends immer glösse geschrieben, wenn nach meinem lieblingsessen gefragt wurde, das mit dem hadden g, hatte ich nämlich nicht so raus. überhaupt was für eine großartige unterscheidung, es gibt ein hartes und ein weiches d, und ein hartes und ein weiches g. ihr könnt euch vorstellen welchen spaß ich bei der rechtschreibung hatte wenn ich dinge aus bamberg beschreiben wollte.

und es gibt die keller, ja wir gehen auf den keller, was den einfachen hintergrund hat, das das bier im keller liegt, wos kalt ist und wir oben drauf sitzen, wos schön ist. eine großartige abendbeschäftigung, das auf dem keller sein, meist gibt es einen spielplatz mit zaun und nen guten ausblick, liegt ja auf dem berg. es gibt gutes bier und schlucki, in den meisten kellern in und um bamberg kann mensch sich das essen selbst mitbringen wenn das was auf der karte steht nicht gefällt, ich könnt das ja ständig machen. und alle freunde die wir jemals mit nach bamberg geschleppt haben auch.

und sonst so: als ich schon etwas älter war und ohne meine eltern in der stadt stellte ich fest, das ich fränkischer bin, als ich je geglaubt hätte. ich nöle macker und läster nämlich gerne und ausgiebig, während ich mit lob eher sparsammer bin. (ich übe das besser zu machen, ist so mittel erfolgreich) das größte kompliment das du in franken bekommst ist ein freundliches „basst scho“. das ist übrigends auch was wo sich meine schwiegermutter, die sehr auf ihre westfälische mutter pocht, sich ihrer umgebung voll angepasst hat.

und das kind? die astronautin wird in schöner regelmäßigkeit nach franken geschleift, ist gerne klöße und spricht hochdeutsch weil wir das auch sprechen, hoffentlich. mir stellt sich ja immer wieder die frage ob das mit dem fränkisch sein in der „fremde“ nicht eher größer wird, als es eigentlich ist weil die sehnsucht so groß ist.

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