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am sonntag ist bundestagswahl. ich steh ja nicht so auf wählen, aber ich tus trotzdem. und dieses jahr lese ich sogar wahlprogramme. bis mir schlecht wird, das passiert irgendwie immer. und ich versuche, mich mit den menschen in meiner umgebung darüber zu unterhalten. da ich ja immer noch nicht in einer akademiker_innen blase gelandet bin, beschränken sich meine kontakte zu mannheimer_innen vorallem auf andere eltern ( die natürlich auch akademiker_innen sein könnten, meist aber nicht sind). auf dem spielplatz vornehmlich. hier habe ich mal wieder gelernt, was ich nicht mitgedacht habe. ich wurde nähmlich neulich sehr interessiert auf die wahl angesprochen, von einer frau die mit zwei kindern öfter mal da ist. vermutlich öfter als ich. und schon saß ich mitten in einer angeregten diskussion von frauen. da gings um familienförderung, kindergeld, hartz 4 und bafög. abgefahrene situation das, nicht so das typische spielplatz gespräch. und das was ich gerlernt habe war folgendes: die 4 frauen haben sich tatsächlich für politik interessiert, waren gut informiert und wohl überlegt. und dürfen nicht wählen. weil sie keinen deutschen pass haben. ihre kinder schon, die ehemänner zum teil. aber sie eben nicht. natürlich weiß ich, dass die vorraussetzung um an der bundestagswahl teilnehmen zu dürfen ist, deutsche_r staatsbürger_in zu sein. was ich immer wieder vergesse ist, dass viele menschen um mich rum dies nicht sind. in dem viertel in dem wir leben sind das viele. in der ganzen stadt 21,2%! die sind nicht alle über 18 aber trotzdem: ein fünftel der menschen in dieser stadt darf nicht wählen, sondern müssen mit dem leben, was die anderen für (oder gegen) sie entscheiden. hört sich für mich nicht sehr demokratisch* an…

*jaja ich weiß, demokratie galt in ihrer urform auch nur für männer mit besitz, ganz sicher nicht für „ausländer“ oder frauen oder sklaven oder… aber mir wurde in der schule ja beigebracht, dass demokratie so als gesellschaftlicher verständigungsprozess zu verstehen ist. und alle hätten eine stimme und deshalb sei das mit den mehrheiten auch garnicht ungerecht. jaja, jede_r hat eine stimme. außer denen die halt keine haben.

(wenn ich bei meiner schnellsuche nach blogbeiträgen zum thema von menschen ohne entsprechende staatsbürgerschaft übersehen habe, bitte ich sehr darum sie mir in die kommentare zu schreiben)

nachtrag 3:
bei miganzin gibts dazu eine artikel von einer ohne deutsche staatsangehörigkeit: http://www.migazin.de/2013/09/18/wahlrecht-eine-stimme-der-bevoelkerung/
und das hier gibts auch: http://www.migazin.de/2013/09/17/ein-plaedoyer-demokratie-teilhabe/
und das zum thema bei heise: http://www.heise.de/tp/blogs/8/154796

noch n nachtrag: http://wahlrechtfüralle.de/ initiative für ein wahlrecht für alle die dauerhaft im einzugsgebiet der wahl leben.

nachtrag: ich habs nachgeschaut in den statistiken, in „meinem“ bezirk leben 55 % „menschen mit migrationshintergrund“ (das steht so in den statistiken, woher die das wissenn wüsste ich auch gerne) davon haben 70% keine deutsche staatsbürgerschaft. das macht im bezirk 9300 menschen die keine stimmen bei der bundestagswahl abgeben dürfen, in meinem stadtteil sind es 3290 menschen. (gerundet) leider trennen sie die statistik für minderjährige dann nicht mehr so hübsch nach staatsbürgerschaft, deshalb konnte ich nicht rausfinden, wieviele unter 18 jährige darunter sind…

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